Berlin

BITTE TEILEN! (english follows)

Auch wenn die Provinz Québec sich gerne als ein von Astérix inspirierter gallischer Staat-in-einem-Staat  sieht, ist es ziemlich klar, dass Neoliberalismus und die angelsächsische Betrachtung vom Bildungswesen in dieser antimonarchistischen Oase noch Gang und Gäbe sind. Die Universität zu besuchen wird in Québec zunehmend zu einer Luxusbeschäftigung und ohne ein deutsches Rettungspaket, um ihnen zu helfen, schließen StudentInnen ihr Studium mit Schulden ab, die ihre Eltern zu ihrer Zeit niemals zahlen mussten. In ihrem letzten Budget plante die Regierung Québecs eine drastische Erhöhung der Semesterbeiträge, sodass StudentInnen bald $3,793 (ca. €2,870) pro Studienjahr ausgeben müssen, was eine Erhöhung von fast 75% ($1,625) über fünf Jahre darstellt. In Anbetracht der neuesten Erhöhungen der Semesterbeiträge im Laufe der letzten Jahre (von 2007-08 bis 2011-12), heißt das, dass Semesterbeiträge binnen zehn Jahren um $2,125 (127%) gestiegen sein werden; ein Sprung von $1,668 bis zu $3,793. Dieser aufwärtige Trend soll sich noch über 2017 hinaus fortsetzen: Studiengebühren sollen an die Inflationsrate gebunden werden, auch wenn das Einkommen der StudentInnen nicht mit den steigenden Lebenskosten wächst.

Seit nun fast drei Wochen streiken ca. 250.000 StudentInnen, die nun zur größten Streikbewegung in der Geschichte Québecs heranwuchs. Direkte Aktionen (z.B. Blockierung von Brücken, Blockierung von Canadas erstem Containerhafen in Montréal, Besetzung der Börse von Montréal, u.a.) werden organisiert, wie auch Demonstrationen in riesigen Ausmaßen.

Am 22. März 2012 streikten insgesamt 310.000 StudentInnen und ca. 200.000 darunter demonstrierten in der bisher größten Demonstration, die Québec jemals gesehen hat!

http://www.journaldemontreal.com/2012/03/22/la-manifestation-en-accelere

Und dennoch weigert sich die Bildungsministerin Line Beauchamps mit DelegiertInnen der Studentenräten zu verhandeln!

Selbstverständlich ist auch die Repression eher heftig…

http://www.youtube.com/watch?v=jQU7NGdh4ck&feature=share

http://www.youtube.com/watch?v=J-nKMwNBw64&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=wwWr-zwUHqA&feature=related

Nun kommen auch aus ganz Europa Zeichen der Solidarität. Unterstützende Demonstrationen werden in Brüssel, Paris, Lyon, Kopenhagen und London geplant.

Jetzt sind wir auch dran: Zeigen wir unsere Solidarität auch hier in Berlin!!!

FLASHMOB

Ihr seid am 4.4.12 um 14 Uhr herzlichst eingeladen euch einem Flashmob anzuschließen und Solidarität mit unseren KommilitonInnen jenseits des Ozeans zu zeigen. Zunächst wird von 13.30 bis 14 Uhr jemand kleine Vierecke aus rotem Stoff verteilen. Das ist nämlich das Symbol des Streiks. Diese Person wird Unter den Linden vor dem Kulturkaufhaus Dussmann stehen. 
Dann bitten wir euch (mit euren roten Viereckchen) euch zum Brandenburger Tor zu bewegen, am Pariser Platz, und euch um Punkt 14 Uhr ,tot‘ zu Boden fallen zu lassen!

Alle werden dann zusammen und laut bis 75 zählen, sich danach wieder erheben und weggehen. Dieser friedliche Flashmob soll darstellen, dass die StudentInnen in Québec einer 75%igen Erhöhung der Studiengebühren erliegen werden.

Flyer werden auch an PassantInnen und TeilnehmerInnen verteilt.

Warum vor dem Brandenburger Tor?



Die Antwort ist ziemlich einfach: Québec unterhält eine Delegation in Berlin gleich neben der französischen Botschaft. Die Fahne weht auch sichtbar oben auf dem Dach…

— Das Ganze wird gefilmt und an die Medien, sowie an alternative Medien und allen Studentenräten in Québec weitergegeben! —

Der Zugang zu Hochschulbildung wird nun bedroht. Dieser Wende jedoch, welche auch von einer wachsenden Anzahl anderer Regierungen weltweit auf sich genommen wird, kann nur entgegengewirkt werden, wenn wir uns zusammenschließen, um unserer Stimme zur allumfassenden Debatte über die Zukunft des Bildungswesens in unserer Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Wir weisen jegliche Einschränkungen, die den Zugang zur Hochschulbildung betreffen, ab. Wir lehnen die zunehmende Kommerzialisierung des Wissens und der Forschung ebenso ab. StudentInnen aller Länder, vereinigt euch!

PLEASE SHARE
As much as the province of Quebec tend to see itself as some Asterix-inspired-gallic state within a state, it is still pretty clear that neoliberalism and anglo-saxon way of seeing education is in queen-hating heaven en vogue. Going to university in Quebec is becoming more and more a luxury and without any german bailout fund to help them, the students get out of university with debts that their parents never had to pay. In its last budget, the Quebec government planned to hike tuition fees so that it will soon cost students $3,793 a year for university studies―or an increase of nearly 75 % ($1,625) over five years. If we take into account previous increases (from 2007–2008 to 2011–2012), tuitions will have gone up $2,125 (127 %) in ten years, jumping from $1,668 to $3,793. And the uptrend will continue past 2017, because tuition fees are slated to be indexed to inflation, even if student earning power does not follow this rise in the cost of living

Since about 3 weeks, around 250 000 students are striking in what has now became Quebec’s largest striking movement in history. Direct actions (bridges were blocked, Canada’s 1st container port in Montreal was blocked, Montreal’s Stockmarket was occupied,etc.) are being organised in concert with huge demos.

On the 22nd of March, 310 000 students were on strike for one day and about 200 000 demonstrated in what was Quebec’s largest ever known demo!

Still, the minister of education, Line Beauchamps, doesn’t want to negociate with students delegates!

Of course…the repression is also pretty intense
http://www.youtube.com/watch?v=jQU7NGdh4ck&feature=share
http://www.youtube.com/watch?v=J-nKMwNBw64&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=wwWr-zwUHqA&feature=related

Solidarity comes now from all around Europe. Support demos are planned in Brussels, Paris, Lyon, Copenhagen, London.
It’s about time to show our solidarity in Berlin!!!!

FLASHMOB

We invite you on the 4th of April (4.4.12) at 2p.m to join us in a flashmob in solidarity with our fellow students on the other side of the ocean.
From 1:30pm to 2p.m, someone will distribute small red squares made out of fabrik. That’s the symbol of the present strike. That person will stand on Unter den Linden in font of the Dussmann Library.

Then, we invite you (with your little square) to go in front of Brandenburger Tor, am Pariser Platz and « drop dead » on the floor at exactly 2p.m!
Everybody will then count together until 75, get back on their feet and leave.
This peaceful flashmob will show how students in Quebec will crumble under the new 75% rise of their tuition fees.
Flyers will also be given to people passing and posing by.

Why are we doing that in front of the Brandenburger Tor?

The answer is quite simple: Quebec’s delegation in Berlin is inside the french embassy. You can also see Quebec’s flag on top of the building….

–The whole thing will be filmed and sent to medias, alternative medias and students associations in Québec!–

Higher education’s access is thereby significantly threatened. However, this turning point, which is endorsed by an increasing number of governments all over the world, is reversible if only we convene to add our voices to the overarching debate on the future of the education in the society. We refuse any restrictions to access post-secondary education. We refuse that education is being converted into commercialisation of knowledge and research. Students of all countries, unite!

Article paru dans TAZ.de

Studierendenproteste in Kanada

„Es wird militanter werden“

Kanada möchte die Studiengebühren in den nächsten fünf Jahren um 75 Prozent erhöhen. Dagegen formiert sich eine neue Studierendenbewegung in Quebec.

von Moritz Wichmann

200.000 Studierende, Eltern und Hochschulangehörige haben am Donnerstag in Montreal gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren in Quebec protestiert. Die Demonstration war der vorläufige Höhepunkt einer neuen Studierendenbewegung, die Quebec seit Wochen in Atem hält. „Eine der größten Demonstrationen in der Geschichte Quebecs“, berichtet Olivier Lavoie* begeistert über den Tag.

Der Student der „Université du Quebec a Montreal“ war Ende der Woche mit auf der Straße. Von einem Dach grüßten Studierende den Demozug mit einer Banderole: „Blockieren wir zusammen die Erhöhung“. Ab dem Herbst dieses Jahres will die Regierung von Quebec die Studiengebühren in den nächsten fünf Jahren stufenweise jedes Jahr von aktuell 2.168 kanadische Dollar auf 3.793 Dollar pro Jahr erhöhen. Eine Steigerung von 75 Prozent.

Seit Mitte Februar boykottieren die Studierenden in Quebec ihre Universitäten und Colleges, beinahe täglich gab es Demos, Aktionen und auch Blockaden. Laut Angaben des linkssyndikalistischen Zusammenschlusses „Coalition large de l’Association pour une solidarité syndicale étudiante“ (Classe) befinden sich derzeit 192 000 Studierende im unbefristeten Streik und 193.000 im befristeten Streik. In Quebec zahlen die Studierenden die niedrigsten Studiengebühren aller Provinzen Kanadas. Das hat auch historische Gründe, sagt Olivier.

Wie in Deutschland ist auch in Kanada Bildung Ländersache. Im traditionell eher linken Quebec gibt es seit der Studierendenbewegung der sechziger Jahre eine „Deckelung“ der Studiengebühren, erzählt Olivier. Die will die Provinzregierung nun, in Zeiten klammer öffentlicher Haushalte, aufheben. Zielscheibe des Protest auf der Großdemo am Donnerstag war auch der Premierminister der aktuell regierenden liberalen Partei John James Charest. Dessen Reaktion auf die Proteste: „Darüber haben wir schon jahrelang debattiert, die Studierenden und ihre Eltern hatten nun wirklich genug Zeit, zu sparen“.

„Keine Festnahmen, keine Verletzten, keine Gewalt“, so beschrieb eine kanadischen Zeitung am Freitag den Protest. Das lag wohl auch daran, das die Polizei sich bei der Großdemo zurückgehalten hatte – angesichts der massenhaften Beteiligung der Studierenden. In den letzten Wochen hatte es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Studierenden und der Polizei gegeben. Dabei setzte die Polizei wiederholt Tränengas und Pfefferspray ein. Höhepunkt war die Verletzung des 22-jährigen Studenten Francois Grenier. Sein rechtes Auge wurde Anfang März durch eine Blendgranate der Polizei schwer verletzt. Ob der Student auf diesem Auge jemals wieder sehen kann, ist unklar.

Am Wochenende debattierten die Studierenden, wie der Protest verstärkt werden könne. Die beiden größten Studierendengewerkschaften Quebecs, die „Federation etudiante collegiale du Quebec“ (FECQ) und die „Federation etudiante universitaire du Quebec“ (FEUQ), kündigten an, den Protest auch in öffentliche Auftritte von Parlamentsabgeordneten zu tragen. Dieses Jahr stehen in Quebec Parlamentswahlen an. Die oppositionelle „Parti Quebecois“ kündigte bereits an, die Erhöhung der Studiengebühren zurückzunehmen, wenn sie in die Regierung gewählt wird.

Ob es bei der „Bearbeitung“ von Abgeordneten bleiben wird, ist unklar. Ein Vertreter eines offensiveren Vorgehens ist der linkssyndikalistische Zusammenschluss „Classe“. Am Donnerstag zogen Mitglieder der Gruppe ein riesiges Transparent über einen Teil der Demonstration. „Der 22. März ist nur der Anfang“, stand darauf.

Das hofft auch Olivier. Er will weiter streiken: „Wir befinden uns im unbefristeten Streik, bis die Bildungsministerin auf unsere Forderungen eingeht“, sagt er. Die hat schon klargestellt, dass sie an der Erhöhung der Studiengebühren festhalten will und Gespräche mit StudierendenvertreterInnen ablehnt. Olivier erwartet deshalb eine Eskalation der Proteste. „Es wird militanter werden“, prophezeit er. Schon am Dienstag wollen die Studierenden erneut auf die Straße zu gehen, weitere Demos sollen Anfang April folgen.

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